Prognose zum US LeitzinsDie Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve spielt eine entscheidende Rolle für die globale Finanzwelt. Investoren, Unternehmen und Volkswirtschaften beobachten die Entwicklungen genau. Eine fundierte Prognose über den zukünftigen Leitzins erfordert die Berücksichtigung mehrerer wirtschaftlicher und finanzieller Einflussfaktoren. Die aktuelle globale Wirtschaftslage stellt die Federal Reserve vor eine komplexe Herausforderung. Einerseits bleibt die Inflation hartnäckig über dem Zielwert, was für eine restriktive Geldpolitik spricht. Andererseits mehren sich Anzeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung, insbesondere in den USA und Europa, die Zinssenkungen erforderlich machen könnten. Auf dieser Seite werden aktuelle Fed Prognosen zum Leitzins bzw. Zinsentscheid präsentiert.

Zusätzliche Unsicherheiten entstehen durch geopolitische Spannungen, insbesondere in Asien und dem Nahen Osten, die Energiepreise beeinflussen und Inflationsrisiken verschärfen. Auch Chinas schwächelnde Wirtschaft und die unvorhersehbaren Auswirkungen protektionistischer Handelspolitiken erschweren eine klare Einschätzung. Für die Fed bedeutet dies eine Gratwanderung. Eine zu frühe Zinssenkung könnte die Inflation erneut anheizen, während ein zu langes Festhalten an hohen Zinsen die Konjunktur abwürgen und den Arbeitsmarkt belasten könnte. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten verstärkt die Problematik, da unerwartete Entscheidungen Volatilität und Kapitalabflüsse verursachen könnten.

In diesem Spannungsfeld muss die Notenbank eine datengetriebene, aber gleichzeitig flexible Strategie verfolgen, um auf wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen angemessen zu reagieren. Damit wird aktuell jeder Fed Zinsentscheid zum Mega-Spagat.

Eine zuverlässige Prognose des US-Leitzinses erfordert eine umfassende Analyse aller relevanten Einflussgrößen. Die Kombination aus Inflationsentwicklung, Arbeitsmarkt, Wirtschaftswachstum und externen Faktoren bestimmt maßgeblich die geldpolitische Ausrichtung der Federal Reserve.

Empfehlung: EZB Leitzins Prognose, Euribor Prognose

Aktuelle Wahrscheinlichkeiten für zukünftige US-Leitzinsen

Die Abbildung 1 fasst die aus CME Federal Funds Futures abgeleiteten Markterwartungen für den US-Leitzins bis Ende 2027 zusammen. Dargestellt sind zur jeweiligen FOMC Sitzung (auf der Abszisse)die Zinssätze für das obere Leitzinsband mit der höchsten Wahrscheinlichkeit laut dem FedWatch Tool.

Für die Sitzung am 10.12.2025 stehen die Wahrscheinlichkeiten für den oberen Rand des Zielkorridors auf 3,75 % am höchsten. Damit signalisieren die Terminkontrakte zunächst eine Lockerungsschritten um 25 Basispunkte zum Jahresende 2025.

Aus CME Federal Funds Futures abgeleitete US-Leitzinsen für 2026 und 2027

Abbildung 1: Aus den Fed Funds Futures der CME (vom 25.11.2025) abgeleitete US- Leitzinsen der kommenden Fed-Sitzungen. Erklärung s. Text. Quelle: cmegroup.com

Dieses obere Zinsband gilt auch für den 28. Januar 2026 und den 18. März 2026. Damit erwarten Händler zunächst eine Phase geldpolitischer Konstanz, bevor am 29. April 2026 ein Rückgang auf 3,50 Prozent einsetzt und sich dieser Wert bis zur Sitzung am 17. Juni 2026 fortsetzt. Anschließend signalisiert der Kurspfad eine weitere Lockerung, denn für die Termine am 29. Juli, 16. September und 28. Oktober 2026 kalkulieren die Futures mit 3,25 Prozent. Bis zur Sitzung am 9. Dezember 2026 sinkt der erwartete Satz dann auf 3,00 Prozent, was den Tiefpunkt des aktuellen Zyklus markiert.

Dieses Niveau bleibt nach Marktsicht über mehrere Sitzungen hinweg bestehen. Nämlich am 27. Januar, 17. März, 28. April und 9. Juni 2027, sodass sich eine Phase der geldpolitischen Atempause abzeichnet. Erst ab der Sitzung am 28. Juli 2027 entsteht wieder ein leicht steigender Trend, denn für den 28. Juli, den 15. September und den 27. Oktober 2027 verorten die Futures den Fed Funds Rate bei 3,25 Prozent. Insgesamt spiegelt der Pfad ein Umfeld wider, in dem weder akute Rezessionsängste noch erneute Inflationsschübe dominieren. Die Fed behielte aus Sicht der Märkte genügend Handlungsspielraum, um ihre Doppelmandatsziele Preisstabilität und Beschäftigung weiterhin sorgfältig auszubalancieren.

Die aus den CME Federal Funds Futures abgeleiteten Zinssätze zeichnen einen eher sanften Lockerungspfad bis Ende 2027. Es sind immer nur moderate Zinsschritte um 0,25 % eingepreist.

Beispiel

Laut FedWatch Tool vom 25.11.2025 gelten für die Sitzungen am 10.12.2025 und am 28.04.2027 diese Wahrscheinlichkeiten für die verschiedenen US-Leitzinsbänder:

Leitzinsband 175-200 200-225 225-250 250-275 275-300 300-325 325-350 350-375 375-400 400-425
10.12.2025 0,00% 0,00% 0,00% 0,00% 80,90% 19,10% 0,00%
28.04.2027 0,50% 2,40% 8,30% 18,60% 27,00% 25,00% 13,80% 4,00% 0,40% 0,00%

Für die Abbildung 1 folgt daraus: für die Sitzung am 10.12.2025 besteht mit 80,9 % die höchste Wahrscheinlichkeit für das Fed Leitzinsband von 350-375 BP. Damit sind 3,75 % als oberes FED Funds Rate Band wahrscheinlich. Für die Sitzung am 28.04.2027 liegt die höchste Wahrscheinlichkeit bei 27 % für das Zinsband 275-300. Es folgt daraus 3,00 % für die Grafik.

Perspektiven

Die Perspektiven für die nächste Leitzinsentscheidung der US-Notenbank sind von hoher Unsicherheit geprägt und stehen im Zentrum der globalen Marktdiskussion. Nach der zweiten Zinssenkung im Oktober liegt das Zielband für die Federal Funds Rate derzeit bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Seitdem schwanken die Erwartungen, weil neue Inflations- und Arbeitsmarktdaten teils gegensätzliche Signale liefern.

Ein Lager innerhalb des FOMC betont, dass die Gesamtinflation weiter Richtung Zwei-Prozent-Marke driftet und sich die Dynamik am Arbeitsmarkt allmählich abschwächt. Diese Kombination spricht aus Sicht der Befürworter dafür, das Zinsniveau im Dezember nochmals leicht zu senken, um das Rezessionsrisiko zu begrenzen. Terminmärkte spiegeln diese Argumentation in einer ungefähr ausgeglichenen Wahrscheinlichkeitsverteilung zwischen weiterem Schnitt und Zinspause wider.

Demgegenüber verweisen eher restriktive Mitglieder darauf, dass Kerninflation, Lohnstückkosten und manche Dienstleistungspreise weiterhin erhöht bleiben. Aus dieser Perspektive erscheint eine zu schnelle Lockerung riskant, weil sie die Glaubwürdigkeit des Inflationsziels untergraben könnte und finanzielle Übertreibungen begünstigt. Folglich gewinnt ein Szenario an Gewicht, in dem die Fed den Dezember nutzt, um zusätzliche Daten abzuwarten und den bisherigen Kurs zu kalibrieren.

Für das Jahr 2026 zeichnet sich insgesamt ein Pfad graduell fallender Leitzinsen ab, dessen genaue Steigung jedoch offen bleibt. Die Fed kommuniziert ausdrücklich einen datenabhängigen Ansatz, sodass jede neue Konjunktur- oder Inflationszahl die Balance der Argumente verschieben kann. Finanzmärkte reagieren darauf mit erhöhter Volatilität, da jede Änderung der Fed-Erwartungen unmittelbare Auswirkungen auf Renditekurven, Kreditspreads und Bewertungsniveaus entfaltet. Für langfristige Investoren bleibt deshalb entscheidend, Szenarien durchzuspielen und Zinsrisiken aktiv zu steuern, statt sich auf eine einzelne Prognose zu verlassen.

Fed Leitzins Prognosen

FOMC Projektionen 2025, 2026 – 2030

Die Fed erstellt mit den Summary of Economic Projections 4mal Jährlich auch eine Projektion zur Entwicklung der Fed Funds Rate.  In der Abbildung 2 sind die aktuellen Daten dargestellt.

US Leitzins-Prognose des FOMC Rates, 2025 - 20230

Abbildung 2: Prognosen zur Fed Funds Rate der FOMC Mitglieder vom 17. September 2025. Quelle: federalreserve.gov

Die aktuelle Prognose der US-Notenbank vom 17. September 2025 basiert auf dem Median der Einschätzungen der FOMC-Mitglieder zur Fed Funds Rate. Für das Jahr 2025 liegt dieser Median bei 3,60 %, während der derzeitige Leitzins mit 3,875 % (Leitzinsband 3,75 % – 4,00 %) höher ist. Dies signalisiert eine erwartete Lockerung der Geldpolitik bis zum Jahresende. Allerdings haben sich seither die Einflussfaktoren verändert. Deshalb könnten die kommenden Projektionen im Dezember 2025 eine Korrektur dieser Vorhersage mit sich bringen. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang auf 3,40 % prognostiziert, gefolgt von 3,10 % in den 2027 und 2028. Ab 2029 rechnet die Fed mit einer Verstetigung des Zinsniveaus bei 3,00 % – und zwar bis mindestens 2030. Die Stabilität der Werte ab 2028 deutet auf ein erwartetes Gleichgewicht zwischen Preisstabilität und Wachstum hin. Zugleich zeigt der Pfad, dass die Notenbank nicht von einer Rückkehr zu den ultraniedrigen Zinsen früherer Jahre ausgeht. Vielmehr wird ein moderat positives Realzinsniveau als angemessen angesehen, um Inflationsrisiken langfristig zu kontrollieren, ohne das Wirtschaftswachstum unnötig zu bremsen.

Veränderungen in den  Projektionen

Die Projektionen der Federal Reserve zeigen im Zeitverlauf eine deutlich veränderte Einschätzung des künftigen Zinsniveaus (Abbildung 3). Ausgangspunkt ist die Runde vom September 2024, in der für 2025 zunächst 3,40 % erwartet wurden. Für 2026 bis 2028 lag der Median damals durchgängig bei 2,90 %, was einen klaren Normalisierungspfad signalisierte.

Summary of Economic Projections der Fed für den US-Leitzins 2025, 2026, 2027 und 2028

Abbildung 3: Vergleich der US-Leitzins Prognose der Fed nach den Summary of Economic Projections im September, Dezember 2024 und März, Juni u. September 2025. Datenquelle: federalreserve.gov

In der Summary of Economic Projections vom Dezember 2024 verschiebt sich das Bild merklich nach oben. Der erwartete Leitzins für 2025 steigt auf 3,90 %, und 2026 wird nun mit 3,40 % veranschlagt. Damit reagiert die Fed auf hartnäckige Kerninflation und eine weiterhin robuste Konjunktur. Auch in der Projektion vom März 2025 bleiben diese höheren Werte zunächst unverändert, sodass ein länger erhöhtes Zinsniveau impliziert wird.

Mit der Junisitzung 2025 werden die Erwartungen erneut angepasst. Für 2026 und 2027 steigen die Medianwerte auf 3,60 % beziehungsweise 3,40 %. Die Botschaft lautet damit „higher for longer“, während 2028 weiterhin bei 3,00 % verankert bleibt. Die Fed signalisiert also, dass der disinflationäre Prozess langsamer vorankommt als zunächst erhofft.

Besonders wichtig ist die aktuellste Projektion vom September 2025. Für 2025 wird der Median von 3,90 % auf 3,60 % reduziert, was auf spürbare Fortschritte bei Inflation und Arbeitsmarktüberhitzung hinweist. 2026 und 2027 werden wieder leicht niedriger angesetzt, konkret bei 3,40 % und 3,10 %. Gleichzeitig steigt der Wert für 2028 auf 3,10 %, wodurch die Fed ein etwas höheres neutrales Zinsniveau andeutet.

In der Summe ergeben die Projektionen ein konsistentes Bild: Kurzfristig rückt eine moderatere Zinssenkungsdynamik näher, während das strukturelle Zinsumfeld höher bleibt als in der Vor-Covid-Phase. Die Phase extrem niedriger Zinsen gilt damit als abgeschlossen, auch wenn der Leitzins schrittweise von seinem jüngsten Hoch heruntergeführt wird.

Die Wettwahrscheinlichkeiten auf Polymaket für die Dezember-Sitzung: keine Zinssenkung

Auf der Wettplattform Polymarket können Nutzer auf die Entscheidungen der US-Notenbank zur Fed Funds Rate wetten.
Für die Sitzung am 10. Dezember 2025 sehen Marktteilnehmer derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 % eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte voraus (Abbildung 4).

Wetten auf die nächste Fed- Leitzinssenkung auf Polymarket

Abbildung 4: So stehen die Wetten auf Polymarket für eine Fed-Leitzinssenkung am 17. September 2025 (aktualisiert: 25.11.2025). Quelle: polymarket.com

Damit spiegelt sich eine starke Erwartung wider, dass die Fed Funds Rate nach langer Pause die Leitzinsen senken wird. Gleichzeitig rechnen 6 % mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte. Nur 8 % Wettwahrscheinlichkeit besteht für eine weitere Zinspause.

Vorhersage der Mitsubishi Finance Group 2025 – 2026

Die MUFG Bank, Teil der Mitsubishi UFJ Financial Group, skizziert einen klaren Pfad fallender US-Leitzinsen (Abbildung 5). Sie verortet das Ausgangsniveau im vierten Quartal 2025 bei 3,63 %, was ein bereits moderat restriktives Umfeld beschreibt. Für das erste Quartal 2026 erwartet MUFG einen Rückgang auf 3,38 %, wodurch die geldpolitische Bremse spürbar nachlässt. Im zweiten Quartal 2026 soll der Satz weiter auf 3,13 % sinken, während die Konjunktur dennoch stabil bleibt. Bis zum dritten Quartal 2026 nimmt der Leitzins laut Prognose weiter auf 2,88 % ab, also knapp unter 3 %.

Fed Leitzins Prognose 2025

Abbildung 5: Prognose der MUGF Bank zur Fed Funds Rate in 2025 (Stand 3. November 2025). Quelle: mufgresearch.com

Damit unterstellt MUFG einen viertelprozentigen Schritt je Quartal, der planbare und marktfreundliche Lockerung signalisiert. Die Projektion impliziert, dass Inflation und Lohndruck nachgeben, sodass die Fed straffe Bedingungen nicht mehr benötigt. Gleichzeitig rechnet die Bank nicht mit einem radikalen Kurswechsel, denn das Zinsniveau bleibt historisch betrachtet erhöht. Insgesamt beschreibt die Prognose einen vorsichtig dosierten Normalisierungspfad, der Konjunkturrisiken begrenzt und dennoch Preisstabilität absichert.

Prognose zur Fed Funds Rate der ING-DiBa und der Skandinaviska Enskilda Banken 2025 – 2027

In der Abbildung 6 ist die Vorhersage der ING-DiBa-AG und der Skandinaviska Enskilda Banken angegeben. Beide Institute sehen für das vierte Quartal 2025 zunächst 3,75 %, also ein noch deutlich restriktives Niveau. Für das erste Quartal 2026 rechnen beide Häuser mit einem Rückgang auf 3,5 %, sodass der Straffungsgrad leicht abnimmt. Im zweiten Quartal 2026 erwarten ING-DiBa und SEB übereinstimmend 3,25 %, was bereits eine spürbar lockerere Ausrichtung bedeutet.

Prognose der ING-DiBa und der Skandinaviska Enskilda Banken zur Entwicklung des US-Leitzinses 2025, 2026 und 2027

Abbildung 6: US-Leitzinsprognose der ING-DiBa-AG und der Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) 2025 und 2026 (oberes Leitzinsband). Stand 6.11.2025 und 18.11.2025. Quelle: ing.com, scotiabank.com

Ab dem dritten Quartal 2026 beginnt eine leichte Divergenz. ING-DiBa belässt den Leitzins bei 3,25 %, während SEB schon 3,0 % annimmt und damit etwas stärkere Lockerung unterstellt. Dieses Muster setzt sich im vierten Quartal 2026 fort, da ING-DiBa weiterhin 3,25 % veranschlagt und SEB erneut 3,0 % erwartet. Für 2027 zeichnet ING-DiBa anschließend ein ausgesprochen stabiles Bild, denn alle vier Quartale liegen bei unveränderten 3,25 %.

SEB signalisiert dagegen für 2027 ein etwas niedrigeres Gleichgewicht, weil die Bank dort überwiegend 3,0 % ansetzt. Insgesamt entsteht somit ein gemeinsames Grundmuster: Beide Institute rechnen mit einem Beginn des Senkungszyklus ab Ende 2025 und mit einer allmählichen Normalisierung im Bereich zwischen 3,0 % und 3,25 %. SEB betont dabei eher die Entspannung der Inflationsrisiken, während ING-DiBa stärker auf ein dauerhaft leicht restriktives Umfeld setzt. Für Marktteilnehmer deutet die Kombination auf gedämpfte, aber nicht vollständig verschwundene Inflationssorgen hin, da das Zinsniveau klar über der Vor-Covid-Ära bleibt.

Einflussfaktoren auf Leitzinsentscheidungen

Zu den wichtigsten Determinanten zählt die Inflation. Die Fed orientiert sich an der US-Kerninflation, die volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert. Ein Anstieg der Teuerung über das Ziel von zwei Prozent hinaus erhöht den Druck auf die Notenbank, die Zinsen anzuheben, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Bleibt die Inflation hingegen unterhalb der Zielmarke, könnte eine Zinssenkung in Betracht gezogen werden.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die US-Arbeitsmarktsituation. Die Fed verfolgt ein doppeltes Mandat: Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Ein starker Arbeitsmarkt mit niedriger Arbeitslosenquote signalisiert wirtschaftliche Robustheit, was für tendenziell höhere Zinsen spricht. Steigende Arbeitslosigkeit oder schwache Lohnentwicklungen hingegen könnten geldpolitische Lockerungen begünstigen.

Auch das Wirtschaftswachstum beeinflusst die Zinspolitik. Das Bruttoinlandsprodukt gibt Aufschluss über die konjunkturelle Entwicklung. Starke Wachstumsraten führen meist zu einer strafferen Geldpolitik, während eine Abschwächung der Konjunktur eine expansivere Ausrichtung der Fed erfordern könnte.

Neben diesen fundamentalen Faktoren spielen externe Einflüsse eine Rolle. Die Zinspolitik anderer Notenbanken, geopolitische Spannungen oder makroökonomische Schocks beeinflussen die Entscheidungsfindung. Auch die Finanzmärkte haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Die Reaktionen von Aktien- und Anleihemärkten geben Hinweise darauf, welche Zinsentscheidungen bereits eingepreist sind und welche Überraschungseffekte zu erwarten sind.

Zusätzlich berücksichtigt die Fed die Kreditvergabe und die Liquiditätsbedingungen im Bankensektor. Restriktive Finanzierungsbedingungen könnten eine frühere Lockerung der Geldpolitik erfordern, während eine übermäßige Kreditvergabe ein Argument für Zinserhöhungen liefert.

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September Big Change: Der US Arbeitsmarkt schwächt sich ab

Der am 5. September veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht für August sollte Trump eine Warnung sein. Mit nur 22.000 neuen Stellen wurden die Erwartungen weit unterschritten. Die Tabelle zeigt die FedWatch Tool Daten vor und nach dem Arbeitsmarktbericht.

Tabelle 2: Wahrscheinlichkeit für Fed Leitzinssenkung vor und nach dem US-Arbeitsmarktbericht vom 5. September 2025. Quelle: cmegroup.com

Zinssenkung um 04.09.2025 05.09.2025
Wahrscheinlichkeit für Zinnsenkung [%] Wahrscheinlichkeit für Zinnsenkung [%]
keine 2,4 0
25 BP 97,6 89,0
50 BP 0,0 11,0

Die Tabelle zeigt eine deutliche Veränderung der Zinssenkungserwartungen am US-Markt innerhalb eines Tages. Am 4. September rechneten 97,6 % der Marktteilnehmer mit einer Senkung um 25 Basispunkte. Eine stärkere Zinssenkung um 50 Basispunkte wurde zu diesem Zeitpunkt vollständig ausgeschlossen.

Nach Veröffentlichung des schwachen US-Arbeitsmarktberichts änderte sich die Einschätzung spürbar. Zwar erwarten weiterhin 89 % der Investoren einen moderaten Zinsschritt. Doch erstmals preist der Markt auch eine 50-Basispunkte-Senkung ein – mit einer Wahrscheinlichkeit von 11 %. Diese Verschiebung verweist auf eine gestiegene Unsicherheit über die Stärke der geldpolitischen Reaktion. Während eine Zinssenkung als nahezu sicher gilt, nimmt die Diskussion um das Ausmaß an Fahrt auf.

Der enttäuschende Arbeitsmarktbericht liefert dafür das Fundament. Aufgrund der schwachen Beschäftigungsdynamik und der gestiegenen Arbeitslosenquote steigt der Druck auf die Fed. Der Markt positioniert sich nun breiter – und stellt auch eine aggressive Lockerung nicht mehr völlig infrage.

Beige Book vom 3. September 2025 deutet auf Zinssenkung hin

Das aktuelle Beige Book der Fed zeichnet ein Bild einer US-Wirtschaft, die insgesamt an Dynamik verliert. Viele regionale Notenbanken berichteten von einer weitgehend stagnierenden oder nur moderat wachsenden Aktivität. Besonders auffällig ist die Verlangsamung am Arbeitsmarkt: Unternehmen rekrutieren vorsichtiger, teilweise wird Personal durch Automatisierung ersetzt. Zugleich bleibt das Angebot an Arbeitskräften eingeschränkt, was die Flexibilität der Unternehmen reduziert. Auf der Nachfrageseite zeigt sich eine spürbare Zurückhaltung der Konsumenten. Zwar steigen die Löhne weiterhin, jedoch nicht in einem Tempo, das mit den moderaten, aber anhaltenden Preissteigerungen Schritt hält. Hinzu kommt, dass Handelspolitik und tarifäre Belastungen für zusätzliche Unsicherheit sorgen und Investitionen hemmen.

Auswahl aktuelle Erwartungen an Fed-Entscheidung, Stand 5. September 2025

Institution / Organisation Erwartung
Barclays Zinssenkung um 25 BP im September
BNP Paribas Zinssenkung um 25 BP im September
Deutsche Bank Zinssenkung um 25 BP im September
J.P. Morgan Zinssenkung um 25 BP im September, weitere folgen
BlackRock 0,25 %-Senkung im September, insgesamt 2–3 Cuts 2025
Morgan Stanley September unsicher, ca. 50 %-Chance, Märkte >80 %
CME FedWatch Tool Wahrscheinlichkeit 80–98 % für Zinssenkung
Consensus Forecasts (Bloomberg Umfrage) Mehrheit rechnet mit 25 BP Zinssenkung
IMF (indirekte Einschätzung) Sieht Spielraum für Lockerung ab September
OECD (indirekte Einschätzung) Hält geldpolitische Lockerung für wahrscheinlich

3. Juli 2025 Der Jobmotor ist in den USA in Takt. Im Juni 2025 wurden 147.000 neu Arbeitsplätze geschaffen. Und zwar außerhalb der Landwirtschaft. Die Prognosen lagen bei nur 110.000 neue Stellen. Der Punkt geht im aktuellen Schlagabtausch zwischen Trump und Powell eindeutig an Letzteren. Trump hate die sofortige Senkung der Leitzinsen auf 1% von der Fed gefordert. Dafür gibt es aufgrund es neuen Arbeitsmarktberichtes absolut keinen Grund.

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Dr. Ulrich Fielitz ist unabhängiger Finanzanalyst und Betreiber von kostenlos.com.
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