Prognosen zum Euro Lira Kurs - Überblick 2026 - 2030Die türkische Wirtschaft steht seit Jahren unter starkem Druck. Hohe Inflation, politische Eingriffe und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte prägen das Bild. In diesem Umfeld gewinnt der Wechselkurs zwischen Euro und Lira zunehmend an Bedeutung. Die Euro Lira Prognose bietet einen Ausblick auf die mögliche Entwicklung der beiden Währungen von 2025 bis 2030. Dabei spielen nicht nur ökonomische Faktoren wie Zinspolitik und Preisstabilität eine Rolle, sondern auch politische Risiken und das Vertrauen in die türkische Zentralbank.

Analysten und internationale Banken sehen für die kommenden Jahre ein hohes Maß an Unsicherheit. Während kurzfristig Stabilisierungstendenzen möglich sind, überwiegen mittelfristig die Abwertungsrisiken. Die europäische Geldpolitik wirkt dabei als stabilisierender Anker, während die Lira weiterhin unter strukturellen Schwächen leidet.

Für Reisende, Investoren oder Personen mit familiären Verbindungen zur Türkei kann der Wechselkurs entscheidende Auswirkungen haben. Ein Blick auf langfristige Trends und konkrete Prognosen hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.
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Weitere Vorhersagen: Euro Rubel Prognose, Prognose Dollar Rubel, Euro Zloty Prognose

Einflussfaktoren

Der Euro-Lira-Kurs wird maßgeblich von der Zinsdifferenz zwischen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der türkischen Zentralbank (TCMB) beeinflusst. Steigende EZB-Zinsen erhöhen tendenziell den Druck auf die Lira. Gleichzeitig schwächt die anhaltend hohe Inflation in der Türkei das Vertrauen in die heimische Währung. Obwohl die TCMB seit 2023 ihren Leitzins deutlich erhöht hat, bleiben die realen Zinsen negativ, was Kapitalzuflüsse hemmt. Auch politische Einflussnahme auf die Geldpolitik belastet die Glaubwürdigkeit. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, beispielsweise durch die Nähe der Türkei zu Konfliktregionen.

Der Euro profitiert im Gegenzug von wirtschaftlicher und politischer Stabilität im Euroraum. Während kurzfristige Erholungen der Lira durch Zinsschritte möglich sind, überwiegen langfristig strukturelle Schwächen. Die Kombination aus hoher Inflation, Leistungsbilanzdefiziten und fehlendem Reformvertrauen verstärkt die Abwertungstendenzen gegenüber dem Euro.

Euro Lira Prognose

Die Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und Lira bleibt auch in den kommenden Jahren von Unsicherheit geprägt. Während kurzzeitig stabile Phasen möglich erscheinen, deuten strukturelle Schwächen der türkischen Wirtschaft langfristig auf eine weitere Abwertung hin.

Marktteilnehmer und Finanzanalysten EUR/TRY Prognosen 2025

In der Tabelle 1 sind Vorhersagen zum Lira Kurs von Marktakteuren angegeben.

Tabelle 1: Prognosen zum Euro Lira Kurs 2025. Aktualisiert 28.11.2025

Institution / Quelle Prognosezeitraum EUR/TRY-Prognose 2026
CoinCodex Jahresdurchschnitt 2026 48,08
TradersUnion Ende 2026 50,00
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) 4. Quartal 2026 53,50
CoinPreis (über Libertex) Ende 2026 53,83
Tacirler Investment (Türkei) Ende 2026 57,00
Danske Bank November 2026 62,00
Kursprognose.com Ende 2026 62,67
Garanti BBVA / BBVA Research (Türkei) Ende 2026 63,30
BTCC (Academy-Artikel) Jahresdurchschnitt 2026 64,00
Gov.Capital November 2026 64,29
Commerzbank Ende 2026 67,10

Am unteren Rand der Spanne liegt CoinCodex mit einem erwarteten Jahresdurchschnitt von 48,08 TRY je Euro. Die zugrunde liegende Methodik arbeitet stark datengetrieben und orientiert sich an Kursmustern, weniger an Fundamentaldaten. Etwas höher, aber weiterhin vergleichsweise vorsichtig, positioniert sich TradersUnion mit einem Jahresendziel von 50,00. Beide Einschätzungen unterstellen eine nur moderate Fortsetzung der Lira-Abwertung.

Im mittleren Segment finden sich zunächst klassische Bank- und Webschätzungen. Die Landesbank Baden-Württemberg veranschlagt für das vierte Quartal 2026 einen Kurs von 53,50. Sehr ähnlich liegt CoinPreis, das über Libertex kommuniziert wird und einen Endjahreswert von 53,83 ausweist. Tacirler Investment als türkisches Institut mit lokaler Marktkenntnis erwartet bereits 57,00 zum Jahresende. Danske Bank sieht im November-Horizont 2026 einen Stand von 62,00, womit das Haus eine deutlichere Lira-Schwäche einpreist.

Noch höhere Werte zeigen die stärker spekulativen und teils langfristig ausgelegten Modelle. Kursprognose.com kommt für Ende 2026 auf 62,67 und bewegt sich damit in der Nähe der Bankwerte. Garanti BBVA beziehungsweise BBVA Research kalkuliert mit 63,30 und verbindet damit detaillierte Türkei-Analyse mit Szenarioarbeit. BTCC erwartet einen durchschnittlichen Jahreskurs von 64,00 und liegt damit klar im oberen Bereich. Gov.Capital schätzt den Kurs für November 2026 sogar auf 64,29. Den höchsten Wert markiert schließlich die Commerzbank mit einer Jahresendprognose von 67,10 Lira je Euro.

In der Gesamtschau reicht die Bandbreite der Prognosen von gut 48 bis über 67 Lira je Euro. Algorithmische Modelle und konservative Webschätzungen liegen eher am unteren Ende, während Banken mit starker Türkei-Expertise sowie spekulativ ausgerichtete Portale deutlich höhere Wechselkurse erwarten. Die Tabelle macht damit sichtbar, wie unterschiedlich Märkte, Institute und Modelle Zinsdifferenzen, Inflationsrisiken und politische Unsicherheiten bewerten.

Einschätzung und Statistik

Die Werte für 2026 reichen von 48,08 bis 67,10 Lira je Euro und spannen damit einen Korridor von gut 19 Lira auf. Der einfache Durchschnitt aller elf Schätzungen liegt bei rund 58,7 und liegt damit deutlich über dem aktuellen Kurs. Der Median der Statistik beträgt exakt 62,0 Lira je Euro. Damit liegt die Hälfte aller Prognosen bereits in einem Bereich, der eine kräftige Abwertung der Lira unterstellt.

Der aktuelle Wechselkurs von 49,195 Lira je Euro markiert den Ausgangspunkt für die Markteinschätzung. Rund um diesen Wert gruppieren sich die unterschiedlichen Projektionen für 2026. CoinCodex und TradersUnion bewegen sich fast auf heutigem Niveau und unterstellen im Kern einen seitwärts laufenden Markt. LBBW, CoinPreis und Tacirler kalkulieren dagegen mit 53,50 bis 57,00 Lira je Euro und preisen damit eine moderat fortgesetzte Abwertung ein. Danske Bank, Kursprognose.com sowie Garanti BBVA verschieben den Fokus deutlich: Werte von gut 62 bis gut 63 zeichnen ein Szenario kräftiger Lira-Schwäche. BTCC, Gov.Capital und vor allem die Commerzbank mit 67,10 stehen für klar ausgeprägte Abwertungsannahmen. Insgesamt signalisiert die Mehrheit der Prognosen damit ein deutliches Aufwertungspotenzial des Euro gegenüber der türkischen Lira.

Euro Lira Prognose der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria 2025, 2026, 2027 und 2028

Prognose der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria zum Euro Lira Kurs 2025 - 2028

Abbildung 1: Prognose der spanischen Banco Bilbao Vizcaya Argentaria. Stand April 2025. Quelle: bbva.es

Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria erwartet für die kommenden Jahre eine deutliche Abwertung der Türkischen Lira gegenüber dem Euro. Laut der aktuellen Prognose geht die Bank davon aus, dass der EUR/TRY-Wechselkurs bis Ende 2025 auf 48,9 steigen wird. Für das darauffolgende Jahr 2026 wird bereits ein Kurs von 59,3 prognostiziert. Im Jahr 2027 soll der Kurs weiter auf 70,5 ansteigen. Für Ende 2028 erwartet BBVA schließlich einen Wechselkurs von 83,2. Diese kontinuierliche Aufwertung des Euro gegenüber der Lira deutet auf ein anhaltend hohes Maß an makroökonomischer Unsicherheit in der Türkei hin,

Ableitungen der Redaktion: Euro Lira Prognose 2025 – 2030

Die in der Tabelle 2 dargestellten Wechselkurs-Szenarien für EUR/TRY basieren auf einer systematischen Auswertung öffentlich zugänglicher Prognosen und wurden nach anerkannten finanzanalytischen Standards entwickelt. Für das Jahr 2025 liegen von verschiedenen Quellen – darunter ExchangeRates.org.uk, TradersUnion, Squarevest, CoinCodex und weiteren Finanzportalen – konkrete Prognosewerte vor. Diese wurden hinsichtlich Konsistenz, Aktualität und methodischer Herkunft geprüft und zur Bildung eines realistischen Erwartungskorridors herangezogen. Das optimistische Szenario berücksichtigt die niedrigsten plausiblen Kursziele unter der Annahme einer geldpolitischen Stabilisierung und rückläufiger Inflation in der Türkei. Das Basisszenario orientiert sich an medianen oder häufig genannten Werten, wie sie typischerweise in professionellen Marktkommentaren zu finden sind. Das pessimistische Szenario spiegelt eine mögliche Eskalation struktureller Schwächen wider, etwa durch Kapitalabflüsse, sinkende Devisenreserven oder geldpolitisches Vertrauenserosion.

Tabelle 2: Szenariobasierte EUR/TRY-Wechselkursprognose 2026–2030 auf Basis institutioneller Vorhersagen und modellierter Annahmen

Jahr Optimistisches Szenario Basisszenario Pessimistisches Szenario
2026 53,5 59,00 65
2027 55 63,00 72
2028 57 66,00 79
2029 58 70,00 87
2030 60 74 95

Für die Jahre ab 2026 liegen keine konsistenten Mehrfachprognosen institutioneller Anbieter vor. Die Werte in diesen Zeiträumen wurden daher auf Basis makroökonomischer Plausibilitätsannahmen, erwarteter Zinsdifferenzen und langfristiger Inflationsprojektionen interpoliert. Die Szenarien sind somit nicht als präzise Kursziele zu verstehen, sondern als strukturierte Modellierung potenzieller Entwicklungspfade unter unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen.

Die Modellierung aller drei Szenarien (optimistisch, Basis, pessimistisch) zeigt eine durchgehend steigende EUR/TRY-Kurve. Das ist kein Zufall, sondern ergibt sich aus den derzeit vorherrschenden strukturellen Rahmenbedingungen der türkischen Wirtschaft und deren Wahrnehmung an den internationalen Devisenmärkten.

Modellannahmen

Die modellierten Annahmen für die EUR/TRY-Szenarien ab dem Jahr 2026 basieren auf einem Set ökonomischer Grundparameter, die für Währungsprognosen im Rahmen längerfristiger Szenarien typisch sind. Da für Zeiträume über zwölf Monate hinaus keine konsolidierten Prognosen institutioneller Anbieter vorliegen, wurden die Werte nicht direkt aus Markterwartungen abgeleitet, sondern aus einer strukturierten Kombination makroökonomischer Indikatoren modelliert.

Zentral ist dabei die Annahme einer anhaltenden Inflationsdifferenz zwischen dem Euroraum und der Türkei. Selbst bei erfolgreicher geldpolitischer Straffung wird erwartet, dass die türkische Inflationsrate langfristig über der europäischen liegt. Daraus ergibt sich ein kontinuierlicher realer Abwertungsdruck auf die Lira. Ergänzt wird dies durch die Projektion einer persistenten Zinsdifferenz, wobei die Zentralbank der Türkei zwar hohe Leitzinsen bietet, diese aber strukturelle Kapitalflüsse nicht dauerhaft stabilisieren können.

Die Szenarien unterstellen ferner, dass keine fundamentale außenwirtschaftliche Trendwende erfolgt – etwa durch signifikante Leistungsbilanzüberschüsse, massive Devisenzuflüsse oder institutionelle Reformen mit Vertrauen schaffender Wirkung. Das pessimistische Szenario geht zusätzlich von temporären Vertrauenskrisen oder geopolitischen Belastungsfaktoren aus, während das optimistische Szenario moderate Erfolge bei der Inflationsbekämpfung und institutionellen Stabilisierung berücksichtigt. In Summe bilden diese Annahmen die Basis für eine progressive, jedoch differenziert abgestufte Kursentwicklung des EUR/TRY-Wechselkurses.

Ergebnisse

Zwischen 2026 und 2030 öffnen die Szenarien ein breites Spektrum möglicher Wechselkursverläufe für den Euro zur Lira. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie nachhaltig die aktuelle Stabilisierungspolitik in der Türkei wirkt. Die Euro Lira Prognose für diesen Zeitraum bewegt sich deshalb zwischen gradueller Beruhigung und erneuter Vertrauenskrise.

Im optimistischen Szenario gelingt eine glaubwürdige Inflationsbekämpfung bei gleichzeitig positiven Realzinsen und stabiler Geldpolitik. Der Eurokurs steigt dann von 53,50 im Jahr 2026 nur schrittweise auf 60,00 im Jahr 2030. Die Lira verliert zwar weiterhin an Wert, doch das Tempo der Abwertung bleibt begrenzt. Voraussetzung wären strukturpolitische Fortschritte, ein verlässlicher Kurs der Zentralbank und anhaltender Kapitalzufluss.

Das Basisszenario unterstellt eine fortgesetzte, aber kontrollierte Lira-Schwäche im Umfeld hoher, jedoch rückläufiger Inflation. Der Eurokurs erhöht sich von 59,00 im Jahr 2026 auf 74,00 im Jahr 2030. Damit ergibt sich eine jährliche Aufwertung in einer Größenordnung von etwa sechs Prozent. Dieses Szenario spiegelt die grobe Mitte der institutionellen Prognosen wider und integriert typische Schwankungen an Schwellenländermärkten.

Im pessimistischen Szenario kommt es dagegen zu dauerhaft hohen Risikoaufschlägen und wiederkehrenden Vertrauensschüben in Richtung Hartwährungen. Der Euro steigt von 65,00 im Jahr 2026 auf 95,00 im Jahr 2030. Eine solche Entwicklung würde eine Kombination aus anhaltend hoher Inflation, politischer Unsicherheit und schwacher Reformdynamik abbilden. In diesem Umfeld bliebe die Lira stark unter Druck, während die Geldpolitik kaum Glaubwürdigkeit zurückgewinnt.

Die drei Pfade markieren damit keine exakten Vorhersagen, sondern konsistente Korridore für Risikoabschätzungen und strategische Planungen.

Kurzfristige Euro Lira Prognosen 2025/2026 aus Swaps und FX Forwards

Swaps und FX Forwards auf das Währungspaar EUR/TRY lassen sich zur kurzfristigen Analyse von Markterwartungen heranziehen. Diese Instrumente spiegeln sogenannte „implizite Wechselkursprognosen“ (Info dazu hier) wider, die sich aus der Zinsparitätentheorie ableiten. Das bedeutet: Der zukünftige Wechselkurs, zu dem Euro und Lira im Rahmen eines Forward-Geschäfts gehandelt werden, ergibt sich aus dem aktuellen Kassakurs sowie der Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und der Türkei. Liegt der türkische Leitzins deutlich über dem europäischen, notiert der Forwardkurs regelmäßig über dem Spotkurs – was technisch eine Abwertung der Lira unterstellt.

Die Terminstruktur der EUR/TRY-Forwards liefert einen präzisen Eindruck der Markterwartungen zur künftigen Lira-Entwicklung. Ausgangspunkt der Tabelle ist ein einheitlicher Kassakurs von 49,23 TRY je Euro, der für alle Laufzeiten als Referenz dient. Auf dieser Basis werden die Forwardkurse und die impliziten prozentualen Veränderungen berechnet. Die Forwardkurse geben an, zu welchem Wechselkurs der Euro in einem Monat, drei Monaten oder sechs Monaten gegen Lira getauscht werden kann – basierend auf der Zinsdifferenz zwischen Eurozone und Türkei.

Tabelle 3: Implizite EUR/TRY-Wechselkursprognosen für 1 bis 6 Monate aus FX-Forward-Kursen (Stand: 28.11.2025)

Laufzeit Spotkurs (EUR/TRY) Forwardkurs (EUR/TRY) Implizite Veränderung
Kassakurs (Spot) 49,23 49,23 0%
1 Monat Forward 50,53 3%
3 Monate Forward 53,07 8%
6 Monate Forward 57,32 16%
12 Monate Forward 66,60 35%

Für den Ein-Monats-Horizont ergibt sich ein Forwardkurs von 50,53. Damit preist der Markt eine relativ moderate Abwertung der Lira von rund 2,7 Prozent ein. Bereits im Drei-Monats-Zeitraum steigt der implizite Kurs auf 53,07, sodass die erwartete Veränderung knapp 7,8 Prozent beträgt. Die Terminpreise unterstellen damit eine klare, aber gestufte Fortsetzung des Abwertungstrends.

Deutlich ausgeprägter fallen die Signale bei längeren Laufzeiten aus. Der Sechs-Monats-Forward notiert bei 57,32 TRY je Euro, was einer impliziten Veränderung von gut 16,4 Prozent entspricht. Am stärksten ist der Effekt im Zwölf-Monats-Kontrakt, der mit 66,60 TRY je Euro eine kumulierte Abwertung von mehr als 35 Prozent anzeigt. Die Tabelle macht damit sichtbar, dass die Marktteilnehmer trotz deutlich restriktiver türkischer Geldpolitik weiterhin von einem spürbar schwächeren Lira-Wechselkurs gegenüber dem Euro ausgehen.

Zur Interpretation der Daten

Wichtig ist jedoch: Diese Forwardkurse basieren nicht auf makroökonomischen Einschätzungen zu Inflation, Leistungsbilanz oder politischer Stabilität, sondern auf Arbitragefreiheit in einem idealisierten Marktumfeld. Sie stellen also keinen aktiven Forecast dar, sondern bilden lediglich ein Gleichgewicht, das aus der unterschiedlichen Opportunitätskostenstruktur zweier Währungen resultiert.

Für Prognosen mit einem längeren Zeithorizont – etwa bis zum Jahresende oder darüber hinaus – sind klassische Wechselkursprognosen von Banken, die ökonomische Fundamentaldaten modellieren, deutlich aussagekräftiger. Solche Analysen berücksichtigen realwirtschaftliche Treiber, strukturelle Risiken und politische Entwicklungen, die sich in Forwardkursen allein nicht abbilden.

Wirtschaftliche Situation

Die wirtschaftliche Lage in der Türkei ist von tiefgreifenden strukturellen Problemen und kurzfristigen Risiken geprägt. Die Inflation bleibt auf hohem Niveau, was die Kaufkraft der Bevölkerung spürbar belastet. Gleichzeitig befindet sich die türkische Lira seit Jahren in einem Abwertungstrend. Ein zentraler Grund ist das geringe Vertrauen in die geldpolitische Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank, die unter politischem Einfluss immer wieder von marktwirtschaftlichen Grundsätzen abweicht.

Die Zinsen wurden trotz hoher Inflation über lange Zeit künstlich niedrig gehalten, was Kapitalflucht und eine Dollarisierung der Wirtschaft begünstigt hat. Investoren sehen die Stabilität des Landes zunehmend kritisch. Auch das Leistungsbilanzdefizit und die hohe Auslandsverschuldung belasten die Wirtschaft zusätzlich.

Die Regierung versucht, durch Exportförderung und Handelsabkommen gegenzusteuern. Gleichzeitig bestehen jedoch Zweifel an der langfristigen Wirksamkeit dieser Maßnahmen, da grundlegende Strukturreformen ausbleiben. Auch die Abhängigkeit von Energieimporten und die politischen Spannungen in der Region wirken sich negativ aus.

Die aktuellen Wachstumszahlen sind teilweise durch kreditfinanzierte Impulse getrieben und wenig nachhaltig. Besonders im privaten Sektor steigt das Ausfallrisiko. Internationale Ratingagenturen bewerten türkische Anleihen entsprechend mit einem erhöhten Risikoaufschlag.

Insgesamt bleibt die Lage angespannt. Für den Euro-Lira-Wechselkurs bedeutet dies ein dauerhaft hohes Maß an Unsicherheit. Eine Stabilisierung erscheint kurzfristig nur begrenzt realistisch, sofern keine deutlichen politischen und wirtschaftlichen Kurskorrekturen erfolgen.

FAQ

Wie groß ist die Prognosespanne für den EUR/TRY-Kurs 2026?

Die aktuellen Schätzungen reichen von 48,08 bis 67,10 Lira je Euro. Damit ergibt sich für 2026 ein Korridor von gut 19 Lira. Im Mittel liegt die Euro-Lira-Prognose 2026 bei rund 58,7 Lira und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Welche Institute prägen die Markterwartung für 2026 – 2030?

In der Übersicht finden sich klassische Banken wie Landesbank Baden-Württemberg, Danske Bank, Garanti BBVA und Commerzbank. Ergänzend kommen türkische Häuser wie Tacirler Investment sowie datengetriebene Portale und Modellanbieter hinzu. Die Euro-Lira-Prognose 2026 spiegelt damit eine Mischung aus fundamentalen Analysen und quantitativen Ansätzen wider.

Was lässt sich aus den 2026-Prognosen für die weitere Entwicklung ableiten?

Die meisten Werte liegen klar über dem aktuellen Wechselkurs. Insgesamt signalisieren die Projektionen für 2026 eine fortgesetzte, teils deutliche Abwertung der türkischen Lira gegenüber dem Euro. Auf dieser Basis ordnen sich auch längerfristige Euro-Lira-Prognosen bis 2030 eher in einem Aufwärtspfad des EUR/TRY-Kurses ein.

Über den Autor:
Dr. Ulrich Fielitz ist unabhängiger Finanzanalyst und Betreiber von kostenlos.com.
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