Digitale Vermögenswerte gewinnen weltweit weiter an Bedeutung. Ihre Nutzung erstreckt sich längst über spekulative Anwendungen hinaus. In der Praxis kommen zunehmend digitale Token zum Einsatz, die bewusst auf Preisstabilität ausgelegt sind.
Stablecoins zählen in dieser Entwicklung zu den wichtigsten Bausteinen. Sie verbinden blockchainbasierte Infrastruktur mit einem stabilen Wertmaßstab. Das geschieht durch eine gezielte Kopplung an externe Referenzen wie Währungen, Edelmetalle oder andere Vermögenswerte. Nutzer können dadurch Transaktionen effizient abwickeln, ohne den Preisschwankungen klassischer Kryptowährungen ausgesetzt zu sein.
Die Umsetzung erfolgt in unterschiedlichen Formen. Einige Token sind vollständig mit Fiatgeld wie dem US-Dollar unterlegt, das auf Bankkonten gesichert liegt. Andere verwenden physisches Gold oder algorithmisch gesteuerte Modelle, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Teilweise kommen auch Mischformen zum Einsatz, bei denen sowohl Besicherungen als auch Regeln zur Geldmengensteuerung kombiniert werden. Diese Vielfalt erzeugt neue Einsatzmöglichkeiten, erfordert jedoch auch Transparenz und technische Vertrauenswürdigkeit. Wir geben hier eine Einführung in das Thema und bringen Beispiele
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Inhalt
Definition: Was sind Stablecoins
Stablecoins sind digitale Token auf einer Blockchain, deren Wert durch eine externe Referenzgröße stabil gehalten wird. Die Bindung erfolgt meist an staatliche Währungen, Edelmetalle oder andere Vermögenswerte. Technisch wird diese Preisstabilität durch treuhänderisch hinterlegte Reserven, kryptobasierte Sicherheiten oder algorithmisch gesteuerte Angebotsmechanismen erreicht. Ziel ist es, eine verlässliche Recheneinheit mit hoher Transaktionsgeschwindigkeit und globaler Verfügbarkeit bereitzustellen, die unabhängig von klassischen Intermediären funktioniert. Stablecoins verbinden damit die Vorteile programmierbarer Geldsysteme mit der ökonomischen Stabilität traditioneller Anlageformen.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Besonders im Jahr 2025 rücken rechtliche Rahmenbedingungen stärker in den Vordergrund. In Europa schafft das MiCA-Regelwerk erstmals verbindliche Anforderungen für Anbieter solcher Token. Gleichzeitig entstehen in den Vereinigten Staaten eigene Gesetzesinitiativen, um Mindeststandards bei Rücktauschrechten, Sicherheiten und Offenlegungspflichten durchzusetzen. Diese Entwicklung erhöht die Rechtssicherheit, verändert aber auch die Marktstruktur.
In Ländern mit instabilen Währungen werden Stablecoins oft als digitales Ersatzgeld genutzt. Dort ersetzen sie klassische Fremdwährungen in der Praxis. Auch im Bereich dezentraler Finanzprotokolle haben sie zentrale Bedeutung. Sie dienen als Recheneinheit, Sicherheit und Transaktionsmittel. Dadurch werden automatisierte Kreditverträge oder dezentrale Börsen erst praktikabel.
Stablecoins gelten daher als Brücke zwischen der digitalen und der traditionellen Finanzwelt. Ihre Bedeutung steigt durch wachsende regulatorische Akzeptanz, technologische Weiterentwicklung und weltweiten Bedarf an stabilen digitalen Zahlungsmitteln. Weil sie viele Vorteile klassischer Währungen mit der Innovationskraft von Blockchains vereinen, dürften sie langfristig an Relevanz gewinnen. Auf den folgenden Unterseiten werden die wichtigsten Formen nach Deckungsart näher erläutert.
Welche Arten von Stablecoins gibt es? Deckungsarten im Überblick
Die Konstruktion stabilitätsorientierter Kryptowährungen hat zu unterschiedlichen Lösungsansätzen geführt, die sich hinsichtlich Deckung, Risikoprofil und technischer Komplexität deutlich unterscheiden. Stablecoins lassen sich in vier zentrale Kategorien einteilen: fiatbasierte, goldgedeckte, kryptobesicherte und algorithmische Modelle. Jede Variante verfolgt das Ziel, den Tokenwert möglichst konstant zu halten, greift dabei aber auf sehr unterschiedliche Mittel zurück.
Fiat-gestützte Stablecoins wie Tether (USDT), USD Coin (USDC) oder Euro Coin (EURC) basieren auf einer direkten Eins-zu-eins-Bindung an gesetzliche Zahlungsmittel. Die Deckung erfolgt durch Einlagen auf Bankkonten, die im besten Fall von regulierten Treuhändern verwahrt werden. Diese Form ist marktseitig am weitesten verbreitet, da sie hohe Liquidität mit einfacher Preisbindung kombiniert. Allerdings bestehen je nach Emittent Unterschiede hinsichtlich Transparenz, Auditierung und rechtlicher Absicherung.
Gold-gestützte Stablecoins knüpfen ihren Wert an physisch gelagertes Edelmetall. Tether Gold (XAUT) und PAX Gold (PAXG) repräsentieren je nach Tokenmenge entweder eine Feinunze oder einen Grammbetrag des hinterlegten Goldes. Die Verwahrung erfolgt üblicherweise in zertifizierten Hochsicherheitstresoren. Diese Konstruktion spricht Nutzer an, die eine digitale Repräsentation eines bewährten Wertspeichers bevorzugen, ohne auf Handelbarkeit verzichten zu müssen.
Krypto-besicherte Stablecoins wie DAI oder LUSD nutzen andere Kryptowährungen als Absicherung, wobei in der Regel eine Überbesicherung notwendig ist. Da das hinterlegte Collateral selbst Preisschwankungen unterliegt, kommen automatische Liquidationsmechanismen und Smart Contracts zum Einsatz. Diese Systeme ermöglichen eine dezentrale Ausgabe ohne zentrale Verwahrstelle, setzen jedoch ein hohes Maß an technischer Robustheit voraus.
Algorithmische Stablecoins wie Frax oder Ethena USDe versuchen den Wert durch eine intelligente Steuerung der zirkulierenden Geldmenge zu stabilisieren. Dabei kommen Mechanismen wie Rückkaufanreize, Arbitragefenster oder derivativer Hedge zum Einsatz. Während diese Lösungen theoretisch elegant wirken, sind sie empirisch anfällig für Marktverwerfungen und benötigen daher fortlaufende Anpassung und Kontrolle.
Die Auswahl der Struktur hat unmittelbare Folgen für Sicherheit, Skalierbarkeit und regulatorische Bewertung.
Vorteile
Digitale Innovationen verändern die Struktur monetärer Systeme mit hoher Geschwindigkeit. Während klassische Kryptowährungen vorrangig spekulative Funktionen erfüllen, entsteht mit wertstabilen Token eine neue Instrumentenklasse mit breiter wirtschaftlicher Relevanz. Erst im dritten Satz wird der Begriff Stablecoins eingeführt.
Stablecoins verbinden die Effizienz digitaler Übertragungstechnologien mit der Preisstabilität etablierter Referenzwerte. Ihre Bindung an Fiatgeld, Gold oder andere Assets erfolgt durch treuhänderische Verwahrung, kryptografisch besicherte Mechanismen oder algorithmische Steuerung. Dadurch entsteht eine tokenisierte Einheit, die als digitales Zahlungs-, Rechen- und Wertspeichermittel eingesetzt werden kann. Diese Funktionalität ist mit hoher technischer Verfügbarkeit verbunden, da Stablecoins auf öffentlichen Blockchains operieren und rund um die Uhr transferierbar sind.
Aus monetärer Perspektive ermöglichen Stablecoins eine Transaktionsinfrastruktur mit minimalen Friktionen. Sie eliminieren das Gegenparteirisiko klassischer Intermediäre und senken systemisch bedingte Transaktionskosten. Für globale Zahlungen oder grenzüberschreitende Geschäftsmodelle bedeuten sie eine erhebliche Effizienzsteigerung. Der stabile Wert macht sie darüber hinaus attraktiv für automatisierte Anwendungen in dezentralen Protokollen, insbesondere bei Lending, Collateral-Management und algorithmischem Handel.
Auch im Bereich finanzielle Inklusion entfalten sie Wirkung. In Volkswirtschaften mit instabiler Währung oder restriktivem Zugang zu Banken dienen Stablecoins als digitale Ersatzwährung mit verlässlichem Werterhalt. Der Zugang erfolgt oft über einfache Wallet-Apps, wodurch Einstiegshürden deutlich reduziert werden. Parallel entstehen neue Möglichkeiten für Mikrozahlungen, Liquiditätsmanagement und programmierbares Geld.
Schließlich fördern Stablecoins die Integration traditioneller Vermögenswerte in digitale Märkte. Sie bilden die Grundlage für tokenisierte Kapitalflüsse, erlauben Echtzeit-Abwicklung und eröffnen neuen Raum für regulatorische Innovationen wie MiCA oder e-money-basierte Smart-Contract-Systeme. Ihre Fähigkeit, ökonomische Stabilität mit technischer Modularität zu verbinden, macht sie zu einem Schlüsselbaustein moderner digitaler Finanzarchitekturen.
Nachteile
Die wachsende Verbreitung wertstabiler Token führt nicht nur zu funktionalen Fortschritten, sondern auch zu neuen Risiken im digitalen Geldsystem. Trotz zahlreicher Vorteile bringen Stablecoins strukturelle Schwächen mit sich, die ökonomisch wie regulatorisch sorgfältig analysiert werden müssen. Erst im dritten Satz erfolgt die erstmalige Nennung des Begriffs Stablecoins.
Ein zentrales Problem betrifft die Transparenz der Deckung. Insbesondere fiatbasierte Stablecoins sind oft durch Reserven gedeckt, deren Umfang, Qualität und Verwahrort nicht durchgängig offengelegt oder verifiziert werden. Intransparente Reservepraktiken können zu einem Vertrauensverlust führen, insbesondere wenn Rückzahlungsansprüche nicht jederzeit vollständig bedient werden können. Dieser Mangel an Offenlegung steht im Widerspruch zum Anspruch auf finanzielle Sicherheit und erzeugt systemisches Risiko bei hoher Marktkonzentration.
Kritisch ist zudem die regulatorische Uneinheitlichkeit. Während einige Jurisdiktionen spezifische Regelwerke einführen, agieren viele Emittenten in rechtlichen Graubereichen. Die fehlende globale Koordinierung führt zu Unsicherheit für Nutzer und institutionelle Marktteilnehmer. Darüber hinaus erschwert sie die Durchsetzung von Verbraucherschutz, KYC-Standards und geldwäscherechtlichen Anforderungen.
Bei algorithmischen Modellen treten technische Risiken hinzu. Die Stabilität solcher Systeme hängt von der Funktionalität der zugrundeliegenden Smart Contracts, der Marktliquidität und den ökonomischen Anreizstrukturen ab. In Stresssituationen kann es zu raschen Preisverlusten und Systeminstabilitäten kommen. Historische Beispiele zeigen, dass bereits geringe Marktverwerfungen ausreichen, um Entkopplungen vom Zielwert auszulösen.
Auch makroökonomisch sind Risiken erkennbar. Eine starke Nutzung in Schwellenländern kann die geldpolitische Steuerungsfähigkeit nationaler Zentralbanken unterminieren. Gleichzeitig entsteht durch Stablecoins ein privates Parallelgeldsystem, das potenziell regulative Autorität verschiebt. Diese Dynamik erfordert differenzierte Kontrolle, ohne die Innovationsfähigkeit der Technologie zu behindern.
Beispiele
Verschiedene Stablecoins haben sich in den vergangenen Jahren als wichtige Bestandteile des Kryptomarkts etabliert. In den Fokus rücken dabei vor allem Tether (USDT), der als volumenstärkster und ältester Vertreter gilt, sowie USD Coin (USDC), der von etablierten Finanzakteuren wie Circle und Coinbase emittiert wird. Darüber hinaus ist auch Dai (DAI) als Beispiel relevant, der als dezentraler Stablecoin auf dem Ethereum-Netzwerk besondere Beachtung findet. Zu den weniger bekannten, aber zunehmend genutzten Varianten zählen TrueUSD (TUSD) und Pax Dollar (USDP), die ebenfalls durch US-Dollar-Reserven gedeckt werden. Hinzu kommen Alternativen wie der Euro-gebundene Stablecoin EURC, der insbesondere für den europäischen Zahlungsverkehr eingesetzt wird. Stablecoins unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Deckungsstruktur, sondern auch in ihrer regulatorischen Ausgestaltung und Akzeptanz im internationalen Zahlungsverkehr.
Literatur
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FAQ
Definition: Was sind Stablecoins?
Stablecoins sind digitale Token, deren Wert an externe Referenzen wie Fiatgeld, Gold oder algorithmische Systeme gekoppelt ist. Die Definition umfasst alle Mechanismen zur Stabilisierung des Preises, unabhängig von der technischen Umsetzung.
Wie funktionieren Stablecoins technisch?
Die Stabilität kann durch treuhänderische Einlagen, überbesicherte Smart Contracts oder programmierte Angebotssteuerung erreicht werden. Je nach Modell unterscheidet sich das Vertrauen in den Emittenten oder in den Code.
Welche Vorteile bieten stabile Token?
Sie ermöglichen schnelle, globale Transaktionen mit niedrigen Kosten und stabiler Recheneinheit. Besonders im DeFi-Sektor und bei grenzüberschreitenden Zahlungen gelten sie als Schlüsselkomponenten.
Gibt es Risiken oder Nachteile?
Ja. Intransparente Reserven, regulatorische Unsicherheiten und technische Instabilitäten bei algorithmischen Modellen stellen zentrale Schwachstellen dar. Auch makroökonomische Effekte können relevant werden.
Welche Arten von Stablecoins existieren?
Die vier Haupttypen sind: fiat-gestützte, goldgedeckte, krypto-besicherte und algorithmische Stablecoins. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Deckung, Risiko und Anwendungsbereich.
Dr. Ulrich Fielitz ist unabhängiger Finanzanalyst und Betreiber von kostenlos.com.
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